Texte für die Predigt

Wer sagt eigentlich, was am Sonntag gepredigt wird?

Hätten Sie’s gedacht, nicht der Pfarrer oder die Pfarrerin legen fest, über was sie am Sonntag predigen wollen, sondern die „Perikopenordnung“. Ja, das ist ein typisches Kirchenwort. Keiner versteht, was gemeint ist. „Perikope“ kommt aus dem Altgriechischen und bezeichnet einen Abschnitt aus der Bibel, der für die gottesdienstliche Lesung zurechtgestutzt wurde. Seit es Christen und Gottesdienste gibt, waren den großen Festen bestimmte Abschnitte aus den Evangelien zugeordnet. An Ostern die Auferstehungsgeschichten, an Weihnachten die Geschichte von der Geburt Jesu, am 1. Advent sein feierlicher Einzug in Jerusalem. Mit den Jahrhunderten kamen Abschnitte aus den neutestamentlichen Briefen und dem Alten Testament hinzu, bis für jeden Sonn- und Feiertag sechs Perikopenreihen vorlagen. Immer am ersten Advent beginnt eine neue Reihe, so dass sich die Bibelabschnitte für die Predigt alle sechs Jahre wiederholen.

In diesem Jahr beginnt mit dem 1. Advent aber etwas ganz Neues: Die Evangelische Kirche in Deutschland hat eine Änderung der Ordnung beschlossen: Während bisher in der ersten Reihe (2015, 2009, ….) nur über Bibelabschnitte aus den Evangelien und in der zweiten Reihe nur über Briefe gepredigt wurde, werden die Reihen nun gemischt. Außerdem sind deutlich mehr Texte aus dem Alten Testament zu hören. Die ganze Vielfalt der Bibel soll in unseren Gottesdiensten erklingen. Neu hinzu kamen Abschnitte aus den Büchern Jona, Ruth und Hiob und sogar Psalmen sind nun immer wieder Thema der Predigt.

Auch bei den Liedern gibt es Neuerungen: Das Lied zwischen Lesung und Predigt ist das sogenannte Wochenlied. Es bezieht sich auf das Thema des Sonntags und wird eigentlich jedes Jahr an dieser Stelle gesungen. Auch dieses Wochenlied ist festgelegt. Nun waren viele dieser Lieder aber sprachlich so altertümlich und nahezu unsingbar geworden. Deshalb wurden auch hier neue Lieder ausgewählt. Viele davon sind so neu, dass sie nicht einmal im Gesangbuch kommen. Wir werden also ein neues Liederbuch dafür anschaffen.

Pfarrer Maisenbacher und ich freuen uns auf die neuen Bibelabschnitte und vor allem auf die neuen Lieder. Lassen Sie sich überraschen und einladen zu den Gottesdiensten, in denen Gott uns begegnen, stärken, ermutigen und unser Leben auf sich ausrichten will.